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Mensch gegen Maschine

Um eine Sache klarzustellen: Wer die Spurs langweilig findet, sollte sich eine andere Sportart suchen. Was die Spurs als Franchise geleistet hat, ist schier unglaublich. Wie sie immer wieder gut draften, Spieler entwickeln und in ihr System einpassen - ganz zu schweigen davon, dass bald die Hälfte der Coaches und Front Offices mal bei den Spurs aktiv war -, sollte ihnen den Respekt eines jeden Basketballers einbringen.

Zurück zum eigentlichen Thema: die Serie der Spurs gegen OKC, die heute Nacht von den Thunder ausgeglichen wurde. Die Spielphilosophie beider Teams könnte nicht unterschiedlicher sein: auf der einen Seite der systemorientierte Teambasketball der Spurs, auf der anderen das System der Thunder, welches vor allem auf die überragenden Fähigkeiten Durants und Westbrooks vertraut.

Die Offense der Spurs ist im Idealfall eine gut geölte Maschine, die Ausstiege und freie Würfe am Fließband liefert. Wie ein gigantischer Quantencomputer scannen die Spurs die Defense und entscheiden, ob ein Ausstieg genommen wird oder das System weitergespielt wird. Attackiere ich nach dem Handoff den Korb, da die Defense dort eine Lücke aufweist? Oder swinge ich den Ball, damit sich dort nach dem nächsten Handoff oder Pick&Roll ein freier Wurf ergibt? Kaum ein Team ist in der Lage, diese Automatismen zu stören, die Maschine namens Spurs ist so gut wie unaufhaltsam. Versucht ein Team durch taktische Kniffe, Sand ins Getriebe zu bringen - wie beispielsweise die Mavs in Runde 1 - kommt der Chefmechaniker Pop und löst das Problem.

Wie können die Spurs also bezwungen werden? Was kann der Mensch dieser gnadenlosen Effizienz entgegensetzen?

Die Thunder haben es heute Nacht gezeigt: Dem Menschen ist eine Eigenschaft eigen, die eine Maschine nicht hat. Leidenschaft. Die Fähigkeit, über sich selbst hinauszuwachsen. In den wichtigsten Spielen mehr als 100% zu bringen. Einen Schritt schneller zu sein, als es eigentlich möglich sein sollte. Würfe zu nehmen und zu treffen, die eigentlich den direkten Weg auf die Bank bedeuten (ja, ich spreche von dir, Westbrook).

Flow der Spurs zu durchbrechen. Russell Westbrook stand quasi in jedem Passweg, konnte immer wieder den Ball stehlen und somit den Fastbreak initiieren. Die Spurs waren nicht in der Lage, dem Druck zu widerstehen, sie verfielen zunehmend in unzusammenhängende Einzelaktionen. Auch offensiv wusste Westbrook zu überzeugen, zudem zeigte Durant sich nach zuletzt durchwachsenen Partien wieder in Normalform.

Den Spurs scheint jene Leidenschaft abzugehen. Versteht mich nicht falsch, die Art und Weise wie die Spurs Basketball zelebrieren, spricht für eine ausgeprägte Passion für das Game. Ihr Spiel lebt jedoch nicht von Emotion, sondern von Kalkül. Sie vertrauen auf ihre Spielintelligenz und ihre Abgeklärtheit, darauf, dass sie im Laufe einer Partie weniger Fehler machen und bessere Entscheidungen treffen.

Sie haben kaum jemanden, der wie Westbrook oder Durant jederzeit in der Lage ist, durch seine Athletik ein Ausrufezeichen zu setzen, welches die ganze Mannschaft mitreißt. Sie vertrauen auf ihre solide Defense ohne auf schlechte Pässe und damit Steals zu spekulieren. Sie haben nicht diesen einen Spieler, der eine Partie komplett übernimmt und eine Isolation nach der anderen erfolgreich abschließt, um das Spiel im Alleingang zu gewinnen. Die Spurs sind extrem abhängig von ihrer Ballbewegung und ihrem offensiven Flow.

Wenn der Gegner das ganze Spiel lang die ersten Pässe zumacht und somit den Einstieg in die Offense erschwert, bekommen die Spurs Probleme. Natürlich hat kaum ein Team die nötige Energie, dies über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Die Thunder waren vor euphorischem Heimpubklikum inkusive Ibaka-Rückkehr dazu zwei Spiele lang in der Lage.

Die einzige Möglichkeit auf die Finals besteht für OKC darin, diese Energie noch zweimal zu bringen - mindestens einmal vor gegnerischen Fans. Ich glaube nicht, dass die Thunder dies noch zwei Spiele lang leisten können. aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

28.5.14 18:43
 
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